LIEBESMUSIK

im Rahmen des Musikfestival Bern 2015 «Urknall»

Liebesmusik

RODION K. SCHTSCHEDRIN (*1932)

Carmen Suite für Streicher und Schlaginstrumente

 

Sonntagsmatinée für Familien – eine Zusammenarbeit von Musikfestival Bern, CAMERATA BERN und Creaviva im Zentrum Paul Klee.

Ein Morgen für die ganze Familie
Ihre Kinder gehen gratis in den musikalischen Kinderhort oder ins Creaviva Atelier, oder begleiten Sie ins Konzert. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum Paul Klee und Creaviva bieten die CAMERATA BERN und das Musikfestival Bern Unterhaltung für die ganze Familie.

Kinderbetreuung
ab 0 Jahre. Wir spielen, singen und musizieren.
Offenes Atelier im Kindermuseum Creaviva
ab 4 Jahre / bis 8 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen. Hier steht das Thema «Urknall» auch künstlerisch im Zentrum. Wir zaubern Öl-Wasser-Marmorierungen – angelehnt an die
diesjährige Grafik des Musikfestival Bern.
Reservation
Kinderbetreuung und Offenes Atelier sind kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Reservation erforderlich per Mail an reservation@musikfestivalbern.ch

Rodion Schtschedrin Carmen-Suite
Schtschedrin wurde 1932 als Sohn eines Komponisten in Moskau geboren. Er besuchte zunächst die Moskauer Chorschule und studierte dann am Moskauer Konservatorium Komposition und Klavier. 1964 wurde er zum Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium, 1973 zum Präsidenten des russischen Komponistenverbandes ernannt. Er nahm an mehreren Festivals in westeuropäischen Staaten teil. Nach dem Fall des kommunistischen Regimes erhielt er den Russischen Staatspreis und den Dmitri-Schostakowitsch-Preis, im Dezember 2007 wurde er mit dem Verdienstorden für das Vaterland zweiter Klasse ausgezeichnet. Seit 1989 ist Schtschedrin Mitglied der Akademie der Künste (Berlin). Heute lebt er in München und Moskau. Rodion Schtschedrin war seit 1958 mit der 2015 verstorbenen Primaballerina Maja Plissezkaja verheiratet, die für seine Ballettmusiken mehrfach die Choreografien entwickelte.

Unter seinen Werken befinden sich die Ballette Anna Karenina (nach dem gleichnamigen Werk Leo Tolstois) und Die Möwe (nach dem gleichnamigen Werk Anton Tschechows) sowie die Oper Die toten Seelen (nach dem gleichnamigen Werk Nikolai Gogols), für die er 1984 mit dem Leninpreis ausgezeichnet wurde. Weitere Werke sind unter anderen die szenische Liturgie Der versiegelte Engel, mehrere Symphonien und Klavierkonzerte sowie Klavier- und Kammermusik.
In seiner Carmen-Suite arrangierte Rodion Schtschedrin Bizets Musik neu zu einer Ballettmusik, die er für seine Frau Maya Plissezkaja, die langjährige Primaballerina des Bolschoitheaters, schrieb. Die Uraufführung fand am 20. April 1967 in Moskau statt – und es war alles andere als ein Erfolg.

1967 erlebte nicht nur die westliche Welt den Aufbruch in ein neues Lebensgefühl. Die Gestalt der erotischen Carmen, die Maya Plissetzkaja im selben Jahr tanzte, war für die damalige sozialistische Gesellschaft so etwas wie eine sexuelle Revolution – nur im klassischen Ballett. Ein Skandal! Zu viel nackte Beine, unzüchtige Stützungen und kaum Bekleidung. Carmen, diese unabhängige, kühne und gefährliche Kunstfigur faszinierte Plissetzkaya schon immer.

Die „Carmen-Suite“ für Streicher und 47 Schlaginstrumente entstand innerhalb von nur 20 Tagen. Allerdings war die Uraufführung ebenso unglücklich wie diejenige Bizets 92 Jahre zuvor. Und es waren nicht nur die erotischen Anspielungen, die den sozialistischen Kulturbonzen zuwider waren. „Ihre Carmen wird sterben!“, sagte die sowjetische Kulturministerin nach der Premiere im Bolschoj Theater. Doch Plissezkaya hielt dagegen: „Carmen stirbt, wenn ich sterbe!“ Und behielt Recht. Maya Plissezkaya tanzte Schtschedrins „Carmen“ ungefähr 350 Mal. Das letzte Mal im Jahr 1990 im Alter von 65 Jahren. Die „Carmen-Suite“ ist das bekannteste Werk Rodion Schtschedrins, sie wird jeden Tag irgendwo auf der Welt entweder live gespielt oder im Radio gesendet.
Julia Smilga, Bayerischer Rundfunk Klassik

Mit diesem Konzert beginnt Antje Weithaas ihre 7. Saison als künstlerische Leiterin der CAMERATA BERN. Ihre Biographie finden Sie hier.

 

Text: Louis Dupras