Sonntag | 18.03.2018 | 17.00
Zentrum Paul Klee

GROSSE FUGE


Antje Weithaas Violine, Leitung und Solistin

16:15 Uhr Konzerteinführung


Krzysztof Penderecki (*1933)
Ciaccona «in memoriam Giovanni Paolo II»
Dmitri D. Schostakowitsch (1906–1975)
Violinsonate op. 134, Fassung für Solovioline, Streicher und
Trommel
Dmitri D. Schostakowitsch
Kammersymphonie op. 110a
Ludwig van Beethoven (1776–1827)
Grosse Fuge in B-Dur op. 133, Fassung für Streichorchester

 
Kann abstrakte Musik von Unterdrückung und Hoffnung erzählen,
von politischer Verfolgung, gar von Todesangst? Nach dem
2. Weltkrieg entwickelten Komponisten eine «katastrophale»
Klangsprache, denn die Geschichte hatte schliesslich ihre
intuitive Neigung zum Düsteren und Schrecklichen mehr als
bestätigt.
Pendereckis Chaconne «in memoriam Giovanni Paolo II» entstand
als Trauermusik zum Tod von Papst Johannes Paul II und wurde
das letzte Element seines Polnischen Requiems, eine Hommage
an die Gefallenen des Streiks in den Danziger Werften. Wie in
seinem ganzen Werk erkundet Penderecki in der Chaconne eine
universale Musiksprache.
Es ist heute schwer vorstellbar, unter welcher Todesangst Schostakowitsch
bei seinen diversen Auseinandersetzungen mit dem Regime Stalins gelitten haben muss.

Als er wegen «Formalismus» zum Staats- und Volksfeind erklärt wurde, wartete
er jede Nacht draussen im Flur neben dem Aufzug mit gepacktem
Köfferchen (damit die Familie weiter schlafen konnte), dass Stalins
Polizei ihn holen würde. So wie es anderen unzähligen Künstlern,
Komponisten und Intellektuellen erging, die spurlos verschwanden.
Seine Kammersymphonie op. 110a komponierte Schostakowitsch
im Schatten seines kurz zuvor widerwillig erfolgten Eintritts in
die KPdSU, den man von ihm verlangt hatte. Man plante in Moskau,
ihn zum Vorsitzenden des Komponistenverbandes der UdSSR
zu machen. Das Stück ist ein Schlüsselwerk des Antifaschisten
Schostakowitsch, der sein Schaffen als Trauerarbeit für die Opfer
der Massenhinrichtungen unter Hitler und Stalin verstand. Zitate
aus früheren Werken (1. und 5. Symphonie, 2. Klaviertrio, 1. Cellokonzert,
Lady Macbeth von Mzensk) erscheinen wie Signaturen des
Komponisten. Schostakowitschs eigentliche musikalische Unterschrift
(das Motiv D-eS-C-H) ist in jedem Satz hörbar.
Ursprünglich von Beethoven als Finale seines Streichquartetts
op. 130 vorgesehen, sprengt die «Große Fuge» in ihrer revolutionären
Anlage und emotionalen Energie den Rahmen eines Streichquartett-
Finales. Beethoven selber wies darauf hin, dass diese
Fuge ein ausser dem Bereich des Gewöhnlichen liegendes
Kunstwerk sei, das für sich allein dastehen müsse und eine
eigene Opuszahl verdiene.