CARMEN, MON AMOUR

im Rahmen des Musikfestival Bern 2015 «Urknall»

Carmen mon amour Ausschnitt

ALFRED ZIMMERLIN (*1955)

«Il tuo fiato riposa sotto il cielo d’agosto» (CH-Erstaufführung)
für 14 Solo-Streicher

BOHUSLAV MARTINŮ (1890 – 1959)

Concerto da Camera für Violine, Klavier, Schlagzeug und Streicher

RODION K. SCHTSCHEDRIN (*1932)

Carmen Suite für Streicher und Schlaginstrumente

 

 „Il tuo fiato riposa sotto il cielo d’agosto“ vom Schweizer Komponisten Alfred Zimmerlin wurde 2014 nach dem Gedicht «terra rossa terra nera» (1945) von Cesare Pavese für die 14 Streicher der CAMERATA BERN komponiert. Das zwischen intensiver Bewegung und Stillstand pendelnde Stück, wurde am 11. November 2014 durch uns im Teatro Nacional in Panama uraufgeführt.

Spritzige musikalische Einfälle, sinnlicher Orchesterklang und Virtuosität der Solostimmen haben Martinůs „Concerto da camera“ sowohl beim Publikum als auch bei den Aufführenden zu einem Lieblingswerk gemacht. Bohuslav Martinů, dessen 125. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, kehrt hier zur „Concerto Grosso“ Form zurück und konzentriert sich auf die konstante Entwicklung von musikalischen Zellen in einem polyphonischen Stil, der grosse emotionelle Wärme ausstrahlt.

„Der Künstler ist immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, seines eigenen und dem der Menschen überhaupt, auf der Suche nach Wahrheit. Ein System der Unsicherheit ist in unseren Alltag eingedrungen. Der wachsende Druck, dem er durch Mechanisierung und Gleichförmigkeit unterliegt, verlangt nach Widerstand, und der Künstler hat nur eine Möglichkeit, dies auszudrücken – durch Musik.“ — Bohuslav Martinů.
Bohuslav Martinů war der bedeutendste tschechische Komponist um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Geboren und aufgewachsen in einem Zimmer oben im Kirchturm des Dorfes Policka, was er als bestimmend für sein Leben ansah, studierte er Geige am Prager Konservatorium, das er aber wegen „unverbesserlicher Nachlässigkeit“ verlassen musste. Auf Tournee mit dem Tschechischen Philharmonischen Orchester entdeckte er die Musik Debussys. In Paris, wo er bei Roussel studierte, lebte er im kulturellen Milieu der 1920er Jahre und wurde von Strawinsky, dem Jazz und der „Groupe des Six“ beeinflusst. Er eignete sich in den 1930er Jahren eine neoklassizistische Musiksprache an und erforschte Formen des Concerto grosso.
1940 reiste er in die USA und komponierte in der folgenden Dekade für die führenden amerikanischen Orchester. Martinů kehrte nach Prag zurück, aber die Regierungsübernahme in der Tschechoslowakei durch die Kommunisten 1948 machte ihn dauerhaft zu einem Flüchtling. Er schrieb seine letzten Werke, die sich grossteils auf mährische Volksmusiktraditionen beziehen, im Haus Paul Sachers in der Schweiz und starb in Pratteln.

In Moskau geboren, studierte Rodion K. Schtschedrin bei Jurij Schaporin Komposition und bei Jakow Flier Klavier. Seine technischen Kenntnisse in der Komposition verdanke er jedoch Schostakowitsch. Schtschedrins Vater war in der Kriegszeit Sekretär Schostakowitschs gewesen, daher waren die Familien gut befreundet. Auf Schostakowitschs Bitte hin wurde er dessen Nachfolger als Präsident der russischen Sektion des Sowjetischen Komponistenverbandes. Der kammermusikalischen Tradition folgend, schrieb Schtschedrin auch Werke dieses Genres für Maxim Vengerov, Yuri Baschmet oder Mstislaw Rostropowitsch. Eine besondere Beziehung pflegte er zum Ballett: Die legendäre Bolschoi-Primaballerina Maija Plissezkaja wurde seine Frau. Die „Carmen-Suite“ entstand innerhalb von nur 20 Tagen und ist das bekannteste Werk Schtschedrins; sie wird jeden Tag irgendwo auf der Welt entweder live gespielt oder im Radio gesendet. Plissezkaya tanzte „Carmen“ 350 Mal, das letzte Mal 1990 im Alter von 65 Jahren.

Mit diesem Konzert beginnt Antje Weithaas ihre 7. Saison als künstlerische Leiterin der CAMERATA BERN. Ihre Biographie finden Sie hier.

Robert Kolinsky ist Initiant und künstlerischer Leiter der Martinů Festtage in Basel (www.martinu.ch). Als Autor und Regisseur arbeitet er zurzeit an einem Dokumentarfilm über den Schauspieler, Regisseur und Oscarpreisträger Jiří Menzel. In Solothurn geboren, studierte Kolinsky an den Musik-Akademien in Basel und Prag, bildete sich bei György Kurtag und Witold Lutoslawski weiter und absolvierte ein Hammerklavier-Studium an der Schola Cantorum Basiliensis. Unter dem Dirigenten Vladimir Ashkenazy nahm er die Klavierkonzerte von Martinu˚ auf. Nach Konzerten in Basel und 10 Aufführungen des Tanzstückes «Flight of Gravity» in 2011 ist dies seine dritte Zusammenarbeit mit der CAMERATA BERN.

 

Kolinsky website

 

Text: Louis Dupras